5. Für den Notfalldatensatz (NFD) geeignete Patienten

Grundsätzlich hat jeder gesetzlich Krankenversicherte das Recht auf die Anlage eines Notfalldatensatzes (NFD).

Die Anlage eines NFD ist in der Regel sinnvoll, wenn Erkrankungen vorliegen, die aufgrund der klinischen Symptomatik, des Verlaufs, der Ätiologie oder der Therapie und/ oder Medikation für Ärzte in Notfallsituationen eine wesentliche Information darstellen. Gleiches gilt für Allergien und Unverträglichkeiten.

Primäre Zielgruppe für die Anlage von Notfalldatensätzen sind daher

  • Patienten mit komplexer Krankengeschichte (z. B. langjährig bestehende chronische Erkrankung) mit einer Vielzahl von Diagnosen, Medikamenten und weiteren medizinischen Informationen und/oder
  • Patienten mit wenigen/einzelnen Erkrankungen, die jedoch aufgrund krankheitsspezifischer Merkmale eine hohe Notfallrelevanz innehaben (z. B. bekannte schwere anaphylaktische Reaktion),

da bei diesen Patienten davon ausgegangen wird, dass der medizinische Nutzen des NFD groß ist.

Darüber hinaus kann die Anlage eines NFD sinnvoll sein 

  • bei Schwangeren, 
  • bei Patienten mit seltenen Erkrankungen sowie 
  • bei Patienten auf deren Wunsch, um Kontaktinformationen bezüglich der Angehörigen und des Hausarztes oder zusätzliche freiwillige Informationen zu hinterlegen.

Orientierungshilfen

Die folgenden Listen mit notfallrelevanten Diagnosen, Operationen und Prozeduren sowie Medikamenten dienen als Orientierungshilfe zur Auswahl von Patienten, für die die Anlage eines NFD sinnvoll erscheint. Die Listen können dem Arzt außerdem die Auswahl notfallrelevanter Informationen für den NFD erleichtern.

Erscheinen dem anlegenden Arzt allerdings andere als die auf den Listen enthaltenen oder zusätzliche Informationen als notfallrelevant, sollten auch diese in den NFD auf-genommen werden.

Notfallrelevante Diagnosen, Operationen und Prozeduren

  • Asthma bronchiale
  • COPD – Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung
  • KHK – Koronare Herzkrankheit
  • Herzinsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschrittmacher
  • Interner Defibrillator
  • Epilepsie/Anfallsleiden
  • Neurologische Erkrankungen und fokal neurologische Defizite/Paresen
  • Psychosen oder andere psychiatrische Erkrankungen
  • Substanzabusus
  • Gerinnungsstörungen (angeboren, erworben, medikamentös induziert)
  • Diabetes mellitus
  • Morbus Addison
  • Tumorerkrankung
  • Glaukom
  • Dialysepflichtige sowie höhergradige chronische Niereninsuffizienz
  • Chronische Leberinsuffizienz
  • Relevante Infektionskrankheiten
  • (Z. n.) Organtransplantation
  • Aortenaneurysma 

Notfallrelevante (Dauer-)Medikation

  • Betablocker
  • ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten (Sartane)
  • Diuretika
  • Calcium-Antagonist
  • Nitropräparat
  • Antiarrhythmikum
  • Digitalis
  • Betamimetikum
  • Kortison/Steroide
  • Immunsuppressivum
  • Aldosteron-Antagonist
  • Antiepileptikum
  • Antidepressivum
  • Neuroleptikum
  • Thrombozytenaggregationshemmer
  • Antikoagulanzien (Cumarine, Heparine, NOAK)
  • Heparin
  • Faktor VIII/IX
  • Desmopressin, z. B. Minirin®
  • Insulin
  • Cholinesterasehemmer
  • Opioide
  • NSAR 

Die Listen wurden erstellt in Anlehnung an die von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) unter Koordinierung des Ausschusses „Notfall-/ Katastrophenmedizin und Sanitätswesen“ der Bundesärztekammer (NKS) erarbeitete Liste „Notfallrelevante Diagnosen/Operationen/Prozeduren und Medikationen“

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